• Sa | 5 | Mai | 2018 | 15:00 UHR | Pepper
    EINTRITT FREI | EINLASS: 13:30 | SPENDEN ERWÜNSCHT
    WORUM GEHT ES EIGENTLICH IM "FAUST II"?

    Vortrag von Dr. Heidi Kalmbach im Rahmen des Faust Festival München

     

    Indem Goethe die Gestalten genetisch – also in ihrem „Werden“ – betrachtete und ihren „Bildungsverlauf“ untersuchte, glaubte er „der Natur abgemerkt zu haben, wie sie gesetzlich zu Werke gehe, um lebendiges Gebild, als Muster alles Künstlichen hervorzubringen“. Auch den „Faust II“ hat Goethe als Kunstwerk nach dem Muster der Naturgebilde hervorgebracht. Fausts Leben und Erleben verläuft – mit vielen Parallelen zu dem Goethes – zunächst wie der Bildungsverlauf einer Pflanze: Faust gelingt es, als Künstler und Dichter die höchste antike Kunst und Manifestation des „Schönen“ wieder zu „be-leben“ und zum „Vater“ der modernsten Kunst zu werden, also wie die Pflanze „Blüte“ und „Frucht“ hervorzubringen. Dann aber erweist sich dieser Hochpunkt als tragischer Wendepunkt: Auf den Aufstieg zu Blüte und Frucht folgt der Abstieg bis zur neuerlichen Bildung der Anfangsgestalt. Faust meint, nach dem Hochpunkt noch „große Taten“ zugunsten der Menschheit vollbringen zu können, aber da irrt er bereits. Er verstrickt sich immer mehr in Gewalt und Schuld und stirbt nach der Untat an Philemon und Baucis auf dem Tiefpunkt. Erst nach seinem Tod kommt er in eine übertragische Welt. Auch sie ist durchwaltet von den natürlichen Bildungsgesetzen, die sich nun aber zu einem ständigen Aufsteigen formieren. Dort ist es rettende „Liebe“, die „alles bildet, alles hegt“ und die Geister zu immer höheren Kreisen „hinansteigen“ und ständig „wachsen“ lässt. Es geht also im „Faust II“ um die musterhafte Darstellung menschlichen Lebens im Gefüge der Bildungsgesetze der Natur.

     

    Foto: Dr. Heidi Kalmbach

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